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Investieren in Paraguay

Die Möglichkeiten, die Paraguay als Investitionsstandort im Herzen des Mercosur und des südamerikanischen Kontinents bietet, sind nur wenig bekannt. Das Land,das etwas größer als Deutschland ist, verfügt über riesige Energieressourcen aus Wasserkraft. Pro Kopf ist deshalb Paraguay größter Stromexporteur der Welt und die
Einnahmen aus diesem Bereich sind gleichzeitig eine zentrale Stütze für den Staatshaushalt.

In der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur weist das Land mit Abstand die niedrigsten Energiekosten auf:
Sie betragen gerade einmal ein Viertel der Kosten im benachbarten Brasilien.
Außerdem ist Paraguay reich an fruchtbarem Agrarland und an unterirdischen Wasserreserven. Bei den Zuwachsraten ölhaltiger Nutzpflanzen belegt das Land weltweit den dritten Platz. Gleichzeitig ist es einer der fünfgrößten Soja-Exporteure der Welt.

Die strategisch sehr günstige geographische Lage des Landes spiegelt sich in der Verkehrsanbindung wieder. Das Wasserstrassen-Netzwerk der Flüsse Paraguay und Paraná ist vergleichbar mit dem des Mississippi und verbindet fünf Länder zu durchaus konkurrenzfähigen Transporttarifen. Die Schiffbarkeit beträgt 2.422 km. Entlang der gesamten Strecke von Nord nach Süd sind Hauptstädte und wichtige Häfen gelegen. Daneben existiert ein Netzwerk von allerdings nicht immer optimal instandgehaltenen inländischen und internationalen Schnellstraßen zu den Produktions-, Vertriebs- und Konsumzentren der gesamten Region. Die Autobahnverbindung zwischen dem Atlantischen und Pazifischen Ozean führt ebenfalls durch Paraguay.

Paraguays Bevölkerung ist mit rund 5,6 Mio. Menschen relativ klein. Dagegen ist die Wachstumsrate hoch: 70% der Paraguayer sind jünger als 30 Jahre. Die Armut konnte zwar in den letzten Jahren verringert werden, befindet sich trotzdem weiter aufeinem relativ hohen Niveau. Dafür sind die Lebenshaltungskosten extrem niedrig: Die Hauptstadt Asunción gilt nach eine Untersuchung von Mercer Human Resource Consulting inzwischen als billigste Großstadt der Welt.

Ethnische, religiöse oder rassische Konflikte sind in diesem Land Südamerikas unbekannt. Insgesamt gibt es etwa 120.000 deutschstämmige Paraguayer, darunter 30.000 Mennoniten. Viele von ihnen haben durch Fleiß und Eigeninitiative in der Landwirtschaft und im Handel Karriere gemacht. Ein Doppelbesteuerungsabkommen im Bereich der Einkünfte aus dem Betrieb internationaler Luftverkehrsdienste und ein Vertrag über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen zeugen von harmonischen Beziehungen zu Deutschland.

Wirtschaftswachstums liegt bei 4% erwartet (BIB). Die Landwirtschaft ist mit einem Anteil von rund 27% am BIP wichtigster Wirtschaftszweig und Arbeitgeber. Handel und Finanzen sind mit 19% am BIP beteilig und die verarbeitende Industrie mit 14,5%. Der Agrarsektor ist für fast zwei Drittel der Exporterlöse verantwortlich. Soja und Sojamehl liegen bei den Ausfuhren an der Spitze, gefolgt von Fleisch.

Paraguay ist Gründungsmitglied der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur und könnte in einem zukünftigen gemeinsamen Markt zu einem zentralen Produktionsstandort werden. Derzeitig gibt es jedoch in Argentinien und Brasilien für paraguayische Produkte immer noch Einfuhrhemmnisse. Die Präsidenten der beiden großen Nachbarländer haben aber auf dem letzten Mercosur-Gipfeltreffen eine Verringerungdieser Probleme angekündigt.

Die Regierung ist sich im klaren darüber, dass die Rechtssicherheit gerade auch im Interesse einer stärkeren ausländischen Investitionstätigkeit verbessert werden muss. Es gibt aber eine Reihe von Faktoren,die ein Direktengagement in Paraguay attraktiv machen könnten. Der gesetzlicher Mindestlohn liegt bei umgerechnet
rund US$ 210 im Monat. Der Mehrwertsteuersatz von 10% ist mit Abstand der niedrigste in der gesamten Region, einschließlich Chile. In Paraguay spielt die Einkommenssteuer de facto keine Rolle. Neben einer niedrigen Steuerlast, niedrigen Energiekosten und einem niedrigen Lohnniveau gibt es verschiedene staatliche Investitions- und Produktionsanreize, wie z.B. das Maquila-Programm, das Investitionsförderungsgesetz (Gesetz 60/90) und das Freihandelszonen-Regime.

I.Maquila-Programm

Es handelt sich dabei um ein exportorientiertes System. In den Binnenmarkt dürfen max. 10% des Exportvolumens des Vorjahres geliefert werden. Voraussetzung ist ein Vertragsverhältnis zwischen einem ausländischen Unternehmen und der Maquiladora in Paraguay. Für den Import von Produktionsgütern, Rohstoffen, Teilen und Komponenten aus Nicht-Mercosur-Ländern gibt es umfangreiche Zollvergünstigungen bzw. -befreiungen. Erforderlich ist grundsätzlich ein regionaler Mercosur-Zulieferungsanteil von 40% bis 2008,von 50% von 2009-2014 und von 60% ab 2014, um die Importzollbefreiung in Anspruch nehmen zu können.

Im Rahmen des Maquiladora-Programms hat das brasilianische Unternehmen Mega Plásticos im Mai 2006 die Produktion von Plastikfolien in Paraguay aufgenommen. Insgesamt wurden US$20Mio. in das Werk in Ciudad del Este investiert. Die Exporte gehen in die Mercosur-Länder sowie nach Chile, Venezuela, Ecuador und die USA. Die Wahl des Standortes wurde vom Geschäftsführer des Unternehmens, Fernando Assad Barrak, mit den vielen Vorteilen begründet, die Paraguay im Maquiladora-Sektor anbietet.

Mega Plásticos könne jetzt vom Preis her sogar mit asiatischen Produkten konkurrieren.
Ebenfalls in Ciudad del Este hat sich vor kurzem im Rahmen des Maquiladora-Programms ein brasilianischer Sportartikelhersteller niedergelassen. In nur zwei Jahren ist somit der Lohnveredelungssektor zu einer der dynamischsten Branchen Paraguays geworden. In den ersten fünf Monaten 2006 realisierten die in Paraguayansässigen Maquiladora-Unternehmen Exporterlöse in Höhe von US$ 20,9 Mio.
Das war das Dreifache der Ausfuhreinnahmen des Gesamtjahres 2005.

II.InvestitionsförderungsgesetzNr.60/90

Durch dieses Gesetz begünstigte Investitionen können in unterschiedlicher Form vorgenommen werden: Geld, Finanzierung, Güter, Rohstoffe und Vorprodukte,Transfer von Technologie (Warenzeichen, Design- und In-
dustrieprozesse), Beschaffung von Maschinen sowie technische und Experten-Dienstleistungen.

Investoren, die die Vorteile des Gesetzes Nr. 60/90 nutzen wollen, sollten beitragen zur Steigerung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen im Lande, zur Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen, zur Förderung von Export und Import und zum Technologietransfer, um die Gewinnung von Rohstoffen, den Qualifikationsgrad der Arbeitskräfte und die Weiterverarbeitung und die Nutzungnationaler Ressourcen zu verbessern.

Investitionen werden u.a. in folgenden Bereichen gefördert:

Industrie, Bergbau und Steinbrüche, Wasserwirtschaft, Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Biotreibstoffe,Transport, Lagerhaltung, Banken und Versicherungen, Wissenschaft, Gesundheit, Radio, Fernsehen, Presse, Bildung, Telekommunikation, Einkaufszentren, Tourismus und Rentensysteme.

Die Investitionsanreize umfassen u.a. eine vollständige Steuerbefreiung bei Gesellschaftsgründungen und Kapitalerhöhungen, bei der Ausgabe, Zeichnung und Übertragung von Rechtstiteln oder Aktien, bei der Übertragung von Eigentum der Gesellschafter sowie bei der Ausgabe, dem Kauf und Verkauf von Obligationen und Schuldverschreibungen und sonstigen festverzinslichen Wertpapieren von Gesellschaften und Unternehmen.
Weitere Vorteile sind der Erlass von 95% der Einkommenssteuer auf 1,5% für 5 Jahre, Vorzugs-Bankkredite oder andere Finanzierungen für fünf Jahre sowie die freie Überweisung von Dividenden und Gewinnen ins Ausland, falls die Person nicht im Lande wohnt.
Eine Ausweitung der Vorteile auf 10 Jahre ist möglich, wenn die Investition in geförderten Entwicklungsgebieten stattfindet.
In den ersten fünf Monaten 2005 wurden nach Angaben des zuständigen Ministeriums für Industrie und Handel im Rahmen des Investitionsförderungsgesetzes Nr. 60/90 Projekte im Gesamtwert von umgerechnet US$ 145 Mio. genehmigt. Davon entfielen 53,5% auf Auslandsinvestitionen.

III.Freihandelszonen

Es handelt sich um Gebiete des Paraguayischen Territoriums, die durch die Regierung als Freihafen autorisiert sind, unter Aufsicht der Steuerbehörden und unter staatlicher Kontrolle, reguliert durch das Gesetz Nr.523.
Zu den Vorteilen gehören:
zollfreie Importe, niedrige Transportaufwendungen, günstige Produktionskosten, Steuerbefreiungen, lange Steuerzahlungsfristen bei der Nationalisierung bzw. unkomplizierter Reexport
ohne Nationalisierung.
Nicht wenige Maquiladora-Unternehmen haben sich in den Freizonen niedergelassen, um die Vorteile beider Systeme zu nutzen.

 

 

©2008 NOMOCON Ltd.